Morsetasten

Die Morsetaste war das eigentliche Handwerksgerät der Funker an Bord. Mit ihr wurden aus Punkten und Strichen die Morsezeichen geformt, zu Wörtern und Sätzen aneinander gereiht und über die Schiffssender und Antennen ausgestrahlt. Über die Entwicklung der Morsetasten sind bereits diverse Bücher geschrieben worden, darauf will ich hier nicht eingehen. Während unserer Ausbildung und für die Prüfung war ausschließlich die sogenannte Handtaste , die auch Faustkeil genannt wurde, zugelassen. Das hörte sich dann etwa so an DitDitDitDaaa Standardmäßig benutzten wir die Taste MT50 von RFT, die der legendären Junkerstaste ähnlich war. Etwas ganz besonderes war für uns eine Taste mit Marmorfuß und hochwertiger Mechanik und dann ganz besonders, wenn unser verehrter Lehrer Walter Wipper damit wirkliche Kunst des Gebens demonstrierte.

An Bord habe ich mich schnell auf eine Doppelseitentaste umgestellt. Diese, auch Bug, Schlackertaste oder Paddle genannt, gab es in den unterschiedlichsten Variationen. Extrem waren die Tasten der russischen Funker mit einem Federpendel. Das hörte sich dann so an DrrrrDaaa. Ich habe mich jedoch mit der einfachsten Version, gebaut aus einem Eisensägeblatt, zufrieden gegeben und während meiner gesamten Seefahrtzeit ohne Beanstandungen benutzt.

Beim Geben mit der Hand- oder Doppelseitentaste entwickelte sich schnell eine richtige persönliche Handschrift, die fast ein Erkennungszeichen des Radio-Operators wurde.

Später kamen dann die ersten elektronischen Morsetasten, Elbug genannt, auf den Markt, zunächst noch extrem teuer. Die erste Version habe ich mir mit einer Röhrenschaltung gebaut, Gewicht stattliche 3 kg schon wegen des schweren Netztrafos. Auf meiner ersten Fernostreise habe ich mir dann in Japan eine EK-9X geleistet, die bereits voll transistorisiert war. Da ich Linkshänder bin, habe ich auch die elektronische Taste mit der linken Hand bedient. Das hatte den Vorteil, dass ich mit dem Bleistift in der rechten Hand sofort schreiben konnte. Die elektronischen Tasten wurden immer weiter entwickelt, die Punkte und Striche waren präzise definiert, und es kam nur noch auf die Fertigkeit an, sie fehlerlos aneinanderzureihen. Das fiel schon mal bei heftigem Seegang schwer, da besonders die horizontale Bewegung der Hand und des Tasthebels und das gleichzeitige Rollen des Schiffes Probleme machen konnte. Daraus entwickelt sich mein Gedanke, eine Taste ohne mechanischen Tasthebel zu entwickeln. Das Ergebnis ist auf dem unteren Foto zu sehen. Die Hand liegt fest auf dem Tisch und die beiden Finger betätigen Sensorkontakte, es funktionierte ganz prima.